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Kleidung in der Spätantike. Kleidung im Barbaricum. Kleidung in der Reenactment-Szene.
Kleidung.
Was trugen die Alamannen? Was trugen sie am Anfang des 5. Jahrhunderts? Ein wunderbares Thema, um zu zeigen, wie wenig man wirklich weiß, wieviel ungeprüft von anderen Hobyisten übernommen wird, wie groß plötzlich die Toleranzen werden. Tausende von Kilometern werden übersprungen, Jahrhunderte mangels besser passender Funde ignoriert, Fibeln zweckentfremdet, weil man schnell das kauft, was bei Replikherstellern erhältlich ist, Hauptsache die Zeit stimmt, der Rest wird dann schon passen.
Aber erstmal das Seriöse: es gibt auch alamannische Textilfunde. In der Hauptsache an Metallteile ankorrodierte Fragmente, teilweise auch nur als Struktur im Rost abgebildet. Daraus lässt sich - wenigstens für die fundreiche Zeit der großen Gräberfelder im 6. und 7. Jahrhundert - schon einiges über verwendetes Material und Webarten sagen. Dann gibt es noch Grabfunde, die Anhand der Position von Metallteilen, Gürtelbeschlägen und Fibeln, bestimmte Tragweisen nahelegen. Man weiß allerdings nicht, ob die Alltagstracht sich von der Kleidung der Bestatteten unterschieden hat, möglicherweise wurde dafür eine aufwändige “Sonntagskleidung” verwendet, die die alltägliche Wirklichkeit gar nicht widerspiegelt.
Und schon fängt der Spagat an: andernorts, zum Beispiel in norddeutschen Mooren, haben sich Kleidungsstücke erhalten. Entweder am Körper von Moorleichen oder auch als Einzelfund. Diese wurden in Zeiten, in denen Torf als Brennmaterial von Hand abgebaut wurde, regelmäßig entdeckt. Heute sind die Chancen auf solche Funde schlechter, weil die Moore entweder aus Naturschutzgründen nicht mehr abgebaut werden, oder der Torfabbau in großem Stil maschinell erfolgt, so dass die unscheinbaren, von der Moorsäure braun gefärbten Textilien nicht mehr gesehen werden und feingemahlen in Torfsäcken für den Gartenbau enden. Vermutlich würden viele der Funde, die Anfang des letzten Jahrhunderts gemacht wurden, mit modernen Methoden viel besser untersucht werden können. Auch die Datierung der Funde könnte anders ausgefallen sein. Trotzdem bilden die von Karl Schlabow publizierten Moorfunde die Grundlage für viele Rekonstruktionen.
Ein anderes Standbein sind zeitgenössische Abbildungen, etwa auf römischen Siegesmonumenten, auf denen unterworfenen Barbaren oder germanische Hilfstruppen gezeigt werden, oder Fresken und Mosaike, die Lebensszenen vorführen. Da mag dann schon die eine oder andere Figur als nichtrömisch oder sogar germanisch identifiziert werden. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass diese Abbildungen nicht 1 : 1 die damalige Realität zeigen, sondern der Zeit entsprechende Klischees, und dass es eine Sicht aus fremdem Blickwinkel ist. Für zuverlässiger kann man römische Grabmonumente ansehen, die gefallenen Germanen in römischem Dienst gewidmet sind. Aber zeigen die nun Römer oder Germanen? Wird ein solcher Toter gar als Alamanne identifiziert?
Dann gibt es noch schriftliche Quellen, die allerdings je nach Absicht des Autoren, Übersetzungs- und Abschreibfehler und Blickwinkel des modernen Bearbeiters selten eindeutig sind.
Dennoch lässt sich, indem man diese verschiedenen Informationsquellen vergleicht und gegeneinander prüft, ein einigermassen plausibles Bild der zeitgenössischen Trachten gewinnen.
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