Hildebrand

 

Das Hildebrandslied

Das Hildebrandslied ist eines der ältesten erhaltenen Heldenlieder in althochdeutscher Sprache. Der einzige erhaltene Text, dem leider der Schluss fehlt, wurde vermutlich zwischen 830 und 850 im Kloster Fulda von einer älteren Vorlage abgeschrieben. Die Sprache des Textes ist eine Mischung aus Altsächsisch und Altbairisch, was möglicherweise daher kommt, dass der oder die altsächsischen Schreiber versucht haben, ihnen schwer verständliche altbairische Wendungen zu “verbessern”.

Der Inhalt des Hildebrandsliedes gehört zum Sagenkreis um Dietrich von Bern und damit zum weiteren Umfeld der Nibelungensage. Die Handlung spielt im 5.Jh. und berührt damit die Welt der Ulfinger. Wir haben uns dazu inspirieren lassen, dass Lied mit einer einfachen Melodie - pentatonisch mit leichten Variationen - und wahlweise auf Althochdeutsch oder in einer der Melodie folgenden Übersetzung zu vertonen. Die Urfassung der Ulfingermelodie entstand im Dezember 2003 während einer Autofahrt, das Original ist noch auf dem Speicherchip eines alten Mobiltelefons erhalten.

 

Melodie und Übersetzung: Stefan Deuble

Hörbeispiel Melodie

Hörbeispiel gesprochen

 

Ik gihorta dat seggen dat sih urhettun aenon muotin

Ich hörte sagen, dass sich zum Kampfe forderten

Hiltibraht enti Hadubrant  untar heriun tuem

Hildebrand und Hadubrand   zwischen zwei Heeren

sunufatarungo  iro saru rihtun

Sohn wie Vater   richteten ihre Brünnen

garutun se iro gudhamun  gurtun sih iro suert ana

bereiteten sie ihre Kampfhemden    gürteten sich ihre Schwerter an

helidos ubar hringa  do si tu dero hiltiu ritun

die Helden, über die Ringe   wie sie zu dem Kampfe ritten

Hiltibraht gimahalta Heribrahtes sunu  her was heroro man

Hildebrand sprach, der Sohn des Heribrand,   er war der ältere Mann

ferahes frotoro  her fragen gistuont

klug durch viele Fahrten   begann er zu fragen

fohem uuortun  hwer sin fater wari   fireo in folche

in knappen Worten  wer sein Vater wäre, von wem im Volk

eddo hwelihhes cnuosles du sis

oder aus welcher Sippe du bist?

ibu du mi enan sages   ik mi de odre uuet

wenn du mir einen sagst  weiss ich mir die anderen

chind in chunincriche  chud ist mi al irmindeot

wer mit wem im Land des Stammes verwandt ist -  mir ist das ganze Volk bekannt

Hadubraht gimahalta  Hiltibrantes sunu

Hadubrand sprach   Hildebrands Sohn

dat sagetun mi usere liuti

das sagten mir unsere Leute

alti enti frote  dea erhina warun

alte und weise   die schon eher waren

dat Hiltibrant haetti min fater  ih heittu Hadubrant

dass Hildebrand mein Vater hiess   ich heisse Hadubrand

 

 

forn her ostar giweit  floh her Otachres nid

gen Osten war er gefahren  er floh vor dem Zorn des Odoaker

hina miti Theotrihhe   enti sinero degano filu

dorthin, mit Theoderich,   und vielen seiner Krieger

her furlaet in lante   luttila sitten

im Lande verliess er   die Kleinen sitzen

prut in bure   barn unwahsan

die Braut auf dem Hof  das unmündige Kind

arbeo laosa  her raet ostar hina

ohne Erbe  ritt er nach Osten hin

 

des sid Detrihhe   darba gistuontun

doch sollte es für Dietrich schwer werden

fateres mines  dat uuas so friuntlaos man

meines Vaters wegen:   so wurde er freundlos

her was Otachre ummet tirri

er war auf Odoaker überaus zornig

degano dechisto  miti Deotrihhe

der beste Gefolgsmann  für Dietrich

 

her was eo folches at ente   imo was eo fehta ti leop

er war bei jeder Schar ganz vorne  immer liebte er den Kampf

chud was her   chonnem mannum

kund war er    den kundigen Männern

ni waniu ih iu lib habbe

ich wähne nicht dass er noch Leben hat

 

 

wettu irmingot   obana ab hevane

ich beschwöre den Allgott  oben aus dem Himmel

dat du neo dana halt mit sus sippan man dinc ni gileitos

das du bis jetzt noch keinen Streit mit so nah verwandtem Mann führtest

 

want her do ar arme  wuntane bauga

da wand er sich vom Arm  einen gewundenen Reif

cheisuringu gitan  so imo se der chuning gap

aus Kaisergold gemacht den ihm selbst der König gab

Huneo truhtin  dat ih dir nu bi huldi gibu

der Herr der Hunnen: das gebe ich dir nun aus Liebe

 

Hadubraht gimahalta  Hiltibrantes sunu

Hadubrand sprach   Hildebrandes Sohn

mit geru scal man  geba infahan

mit dem Speer soll ein Mann  eine Gabe empfangen

ort widar orte

Spitze gegen Spitze

 

du bist dir alter Hun  ummet spaher

du fühlst dich, alter Hunne, überaus schlau

spenis mih mit dinem wortun  wili mih dinu speru werpan

umspinnst mich mit deinen Worten   während mich deine Speere werfen

pist also gialtet man  so du ewin inwit fortos

 so wie du alt geworden bist   hast du auch große Tücke gelernt

 

dat sagetun mi seolidante

das sagten mir Seeleute 

westar ubar wentilseo  dat inan wic furnam

nach Westen gereist über die windige See   dass ihn ein Kampf fortnahm

tot ist Hiltibrant   Heribrantes sunu

tot ist Hildebrand   Heribrandes Sohn

 

 

Hildibraht gimahalta   Heribrantes sunu

Hildebrand sprach    Heribrandes Sohn

wela gisihu ih in dinem hrustim

wohl sehe ich an deiner Rüstung

dat du habes heme  herron goten

dass du zu Hause   einen guten Herren hast

dat du bi desemo riche   reccheo ni wurti

 dass du dank dessen Reich   noch kein Rächer wurdest

welaga nu  waltant got   wewurt skihit

Wohlan, Gotte herrschen: Weh-Wort geschieht!

 

ih wallota sumaro enti wintro  sehstic ur lante

 ich reiste der Sommer und Winter  sechzig ausser Landes

dar man mich eo scerita   in folc sceotantero

man scharte mich immer in den Haufen der Bogenreiter

so man mir at burc enigeru   banun ni gifasta

so wurde mir an vielen Burgen    nicht der Tod gegeben

nu scal mih suasat chind   suertu hauwan

nun soll mich das süsse Kind   mit dem Schwerte hauen

breton mit sinu billiu   eddo ih imo ti banin werdan

erschlagen mit seiner Klinge   oder ich ihm zum Tode werden

 

doh maht du nu aodlihho  ibu dir din ellen taoc

doch magst du nun leicht   falls du so viel taugst

in sus heremo man hrusti giwinnan

 gegen einen so alten Mann   die Rüstung gewinnen

 

rauba birahanen  ibu du dar enic reht habes

den Raub bergen  falls du darauf irgendein Recht hast

 

der si doh nu argosto ostarliuto

der wäre doch nun der ärgste der Ostleute

der dir nu wiges warne   nu dih es so wel lustit

der dir nun vom Kampf abrät    nun wo es dich so wohl danach lüstet

gudea gimeinun   niuse de motti

den Kampf zu entfachen     dessen Ausgang zu erproben

hwerdar sih hiutu dero hregilo rumen muotti

wer von beiden heute das Panzerhemd räumen mag

erdo desero brunnono   bedero uualtan

oder über die Brünnen von beiden herrschen

 

 

 

do lettun se aerist asckim scritan

da liessen sie erst die Eschen schreiten

scarpem scurim   dat in dem sciltim stont

in scharfem Schauern   das in den Schilden stand

 

do stoptun to samane   staimbort hludun

 da stapften zusammen  die Steinborde laut

heuwun harmlicco   huitte scilti

sie schlugen schrecklich   die weissen Schilde

 

unti im iro lintun   luttila wurtun

 und ihre Linden   wurden zerspalten

giwigan miti wabnun    .............

zerkämpft mit den Waffen