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Oberbekleidung: der sogenannte Peplos. Darunter versteht man ein einfaches Gewand, das entweder aus einem übergroßen rechteckigen Tuch oder einer voluminösen Röhre aus Stoff besteht. Der Körper wird mit dem Tuch umhüllt, zwei Fibeln fixieren das Ganze über der Schulter, die Überlänge wird durch einen Umschlag um den Gürtel nach oben gezogen.
Man geht deswegen von dieser Tracht aus, weil die entsprechenden Fibeln häufig in Frauengräbern gefunden werden. Aus Moorfunden kennt man dazu noch eine passende Stoffröhre, die ohne Naht als Schlauchgewebe hergestellt wurde. Die Tragweise wird analog zu antiken griechischen Malereien und römischen und griechischen Statuen angenommen, ausserdem gilt eine Beschreibung des römischen Geschichtsschreibers Tacitus als Beleg, der sagt, dass bei der germanischen Frauenkleidung der der Brust benachbarte Teil frei bleibt. Das wird als Hinweis auf eine ärmellose Kleidung verstanden.
In der Kostümkunde werden anhand der Bildwerke verschiedener griechischer Epochen verschiedene Varianten unter differenzierten Bezeichnungen geführt, dorischer Peplos, ionischer Peplos, Chiton usw. Für die spätantike Darstellung sind diese Bezeichnungen von untergeordneter Bedeutung. Schon der Begriff “Peplos” für dieses Kleidungsstück ist eine eher neuzeitliche Schöpfung, bei Homer werden damit Tücher benannt, mit denen Schiffe bedeckt werden, die wahrscheinlichste Bedeutung im Altgriechischen ist “Schleiertuch”.
Wobei die Verwendung als Persenning manch einer Darstellerin, die sich davor fürchtet, unter den Stoffmassen unförmig zu erscheinen, ganz plausibel vorkommen mag. Das lässt sich durch geschicktes Arrangement allerdings vermeiden, wie die antiken Abbildungen zeigen. Manchmal mag ein zweiter Gürtel unter der Brust ratsam sein, auf jeden Fall ist es erst die Fülle an fliessendem Stoff, der den figurumschmeichelnden Faltenwurf möglich macht. Hier ist jedes Schummeln zum Scheitern verurteilt: erst das im Format eines überlangen Sacks genähte Schlauchkleid mit gemogelten Armausschnitten lässt die Trägerin wie in einen Sack gekleidet aussehen.
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oben: einfach gegürtet und gebauscht um die Taille.
unten: das zweite Band erhöht die Formenvielfalt.
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Natürlich sind die oben gezeigten Marmorstatuen griechisch-römischer Göttinnen nicht typisch für die alamannische Frauentracht. Aber vielleicht sind sie ein Anreiz, das primitivistische Bild von den ursprünglichen, grobgewebten Ureinwohnern in die Richtung zu verändern, die den zivilisationsbegeisterten Barbarenvölkern eher entsprechen mag, die nicht ohne Grund in die Nähe des Imperiums gezogen sind und die sonst auch in allen erhaltenen Dingen einen Sinn für Zierrat, Schmuck und Verfeinerung zeigen.
Wenn man sich ganz weit aus dem Fenster lehnt, dann könnte man die These wagen, dass nördlich der Alpen und der Karpaten in vorrömischer Zeit tatsächlich griechische Mode durch den Kontakt mit der damaligen Hochkultur im Barbaricum als repräsentativ galt, der Peplos könnte dann eine Rolle als traditionelles Festgewand und letztendlich Totenkleid gehabt haben, während die Alltagstracht analog zu den Moorfunden aus Huldremose ein weiter Faltenrock und eine Bluse gewesen sein könnte. Am Ende der Völkerwanderungszeit, zum Beginn des Frühmittelalters, war dann die römische und byzantinische Tunika das Vorbild und setzte sich bis heute als Grundform von Kleid und T-Shirt durch.
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